🗓 17.08.22 👤 middeldorf 👌 Einfach

Food Porn: Taugen Lebensmittel als Sextoys?

Nicht erst seit "American Pie" gehören Lebensmittel und Sex irgendwie zusammen. Dildos in Form von Lebensmitteln, Auberginen-Emojis als anzügliche Anspielung, Food-Fetische wie Sploshing, Feeding und Figging – wieso verbinden wir Essen und Sex eigentlich so häufig?

Food Porn: Taugen Lebensmittel als Sextoys?

Was sind Food-Fetische? 

Von einem Fußfetisch haben wir bestimmt alle schon mal gehört. Aber wie sieht’s bei einem Lebensmittel-Fetisch aus? Tatsächlich gibt es zahlreiche Fetische, bei denen Lebensmittel beim Sex oder Vorspiel miteinbezogen werden. Teilweise kommen diese Fetische aus dem BDSM-Bereich. Ein Beispiel ist das Figging: Hier wird Ingwer vaginal oder anal eingeführt, um ein gewisses Brennen an den Schleimhäuten hervorzurufen. 

  • Cake sitting bezeichnet einen sexuellen Fetisch bei dem sich Menschen meistens nackt auf einen (Geburtstags-)Kuchen setzen, um sexuell erregt zu werden. 
  • Feeding bezeichnet einen sexuellen Akt, bei dem der Feedee – also der Gefütterte – sich so lange von seinem:ihrem Sexualpartner:in – dem Feeder – füttern (oder auch mästen) lässt, bis er:sie als attraktiv für ihn:sie gilt. Die ist meistens der Fall, wenn der Feedee übergewichtig ist. Im Vordergrund steht dabei die sexuelle Erregung beider Parteien, insbesondere aber des Feeders. 
  • Figging kann als Praktik des BDMS (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) verstanden werden. Dabei gilt es dem:der Sexualpartner:in ein geschätes Ingwerstück vaginal oder anal einzuführen, um ein Brennen der Schleimhäute auszulösen. 
  • Sploshing ist der Akt, Essen auf den Körperteilen des:der Sexualpartners:in zu verteilen und es ggfs. auch von ihnen zu essen – natürlich für sexuelle Erregung. Sploshing kann verschieden interpretiert werden, sodass Geschmacksrichtungen, Texturen und Temperaturen der Lebensmittel stark variieren können. 

Food-Fetische psychologisch erklärt 

Sich gegenseitig mit Lebensmitteln einreiben, den/die Partner:in mästen, sich nackt auf Torten setzten oder Lebensmittel vaginal und anal einführen – das sind Vorlieben, die auf Pornoseiten weit verbreitet sind. Aber woher kommt diese sexuelle Anziehung von Lebensmitteln? Wieso werden sie überhaupt in das Sexleben miteingebunden? Und wo haben diese Fetische ihre Wurzeln? 

Die Sexualtherapheutin Claudia Kolbe hat hierzu verschiedene Theorien: Zum einen gibt es hierfür biologische und evolutionäre Ursachen. Hinzu kommen soziale Erfahrungen, die eine Person gemacht hat. Zum Beispiel welche Rolle Essen in der Kindheit und Familie im Allgemeinen gespielt hat. Zum anderen gibt es psychologische Faktoren, wie beispielweise die Konditionierung. Bringt eine Person Lebensmittel häufig mit Sex in Verbindung und nutzt diese auch im Liebesleben, so kann dieses Verhalten durch Wiederholung verstärkt werden. 

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Mit Essen spielt man nicht – oder doch?

Dass mit Essen nicht gespielt wird, bekommen wir alle schon als Kinder beigebracht. Beim Cake Sitting und Food Trampling wird aber genau das gemacht – hier wird mit Lebensmitteln gespielt. 

Bei diesen Vorlieben und Fetischen ist vielleicht der Reiz des Verbotenen, des Anrüchigen, das Spannende. Mit dem Essen doch zu spielen könnte als Art der Auflehnung gegen bestimmte Normen und Tabus verstanden werden. Doch dafür fehlen gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse.

Jedenfalls sind solche Praktiken mit Lebensmittelverschwendung verbunden. Sich mit Essen einreiben und es zertreten heißt auch: Die Lebensmittel werden nicht gegessen. Ein Punkt, der manchmal als Kritik am Sploshing oder Food Trampling angeführt wird.

Lebensmittel als Sextoys 

Aber kann man doch mit Essen spielen, ohne dabei Lebensmittel zu verschwenden? Anja Koschemann stellt in der Dildomanufaktur SelfDelve seit fast 15 Jahren Lebensmittel aus Silikon her – und zwar in Obst- und Gemüseform.

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Kauft hier überhaupt jemand so etwas? Oh ja – die Reihe „Garten Eden“ ist SelfDelves Topseller. Hier ist von der Gurke, über Aubergine bis hin zu Maiskolben und Spargel alles zu finden. Jedes Toy wird sogar per Hand hergestellt. Zuerst wird es in eine Form gegossen, dann bemalt und mit kleinen realitätsgetreuen Details versehen. Um die Gussform zu fertigen, benötigt Anja Koschemann geeignete Vorlagen, die sie immer wieder aufs Neue im Supermarkt, Großhandel oder auf dem Markt bekommt.

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Jedes Spielzeug hat sein eigenes Talent  

Die bunten Spielzeuge sind nicht nur wegen ihrer Form besonders, sondern jedes Toy hat auch eine spezielle Funktion. Die halbrunde Banane ist so konzipiert, dass sie bei einer Frau einfacher an den G-Punkt herankommt, während beim Maiskolben die Struktur besonders stimulierend wirken soll. Sogar für das Beckenbodentraining ist etwas dabei: Mit der kleinen, etwas schwereren Gewürzgurke lässt sich dieser Muskel optimal trainieren. 

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Vorteil gegenüber herkömmlichen Lebensmitteln

Die Sextoys in Obst- und Gemüseform verkaufen sich trotz oder gerade wegen ihrer speziellen Eigenschaften sehr gut. Vor allem der Maiskolben ist der Renner bei den Kund:innen. Diese loben vor allem die gute Qualität, das Material und die Liebe zum Detail. Liegt da mal eine eine Banane im Bett der Eltern, wenn das Kind zum Kuscheln kommt, entstehen dadurch auch nicht so schnell unangenehmen Fragen. Win-Win. 

Die Kund:innen können sogar Sonderwünsche bei Selfdelve einreichen. So kommt es vor, dass Anja Koschemann hin und wieder beispielsweise mal ein Hochzeitsdatum in eins der Sextoys einstanzt.

Aber warum nicht einfach herkömmliche also „echte“ Lebensmittel verwenden? Die Sextoys haben den Vorteil, dass die Schleimhäute nicht durch Pestizide herkömmlicher Lebensmittel angegriffen werden, wie es beispielsweise bei einer ungewaschenen Gurke der Fall sein könnte. Auch über die Verletzungsrisiko durch harte Enden muss man sich hier keine Sorgen machen. Ganz zu schweigen von zu weichen Bananen die leicht abbrechen können, bevor der Spaß zu Ende ist. Zudem sind die Toys von Anja abwaschbar und wiederverwendbar. Lebensmittelverschwendung wird hier also vorgebeugt. 

Geschmack und aphrodisierende Lebensmittel

Bei dem Zusammenhang zwischen Lebensmittel und Sex ist auch der Geschmack ein wichtiges Thema. In fast keinen anderen Lebensbereichen ist der Geschmack von so hoher Bedeutung wie bei Sex und Essen. Auf den Toypartys von Amorelie werden genau deswegen zahlreiche Produkte mit Geschmack für den Oralverkehr angeboten: Rasiercremes mit Granatapfel- oder Honiggeschmack oder Body-Öle die nach Crème brûlée schmecken. Schokolade und zahlreichen anderen Lebensmitteln wie beispielsweise Erdbeeren werden auch häufig eine luststeigernde Wirkung nachgesagt. Ob das aber wirklich der Wahrheit entspricht, ist nochmal ein anderes Thema. 

Wie hängen Lebensmittel und Sex zusammen? 

Du siehst: Essen und Sex ist nicht nur bei "American Pie" ein Thema! Lebensmittel und Sexualität werden mit allen Sinnen genossen. Wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen – kein Wunder also, dass wir Lebensmittel und Sex in Zusammenhang bringen. Was genau dazu führt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Eins steht jedoch fest: Wichtig ist, dass uns beides guttut.