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🗓 16.08.22 👤 hoffmann 👌 Einfach

Generation Rap: Die Rolle der Ernährung im Deutschrap

„Meine Kitty süß und sticky wie ‘ne Kiwi“ rappt LAYLA in ihrer neuen Song Creamy und Money Boy claimed „ich leck sie wie ein Oreo, wie das Cream in der Mitte von 'nem Oreo“. Es wird juicy im Deutschrap – und wir lieben es!

Generation Rap: Die Rolle der Ernährung im Deutschrap

Wie Hip Hop und Essen zusammenpassen

Essen und Rap-Kultur passen einfach zusammen. Und das nicht bloß, weil Lebensmittel als sexuelle Anspielung dienen. Teure Produkte und hochwertige Getränke sind auch in der Hip-Hop-Szene Statussymbol und sollen zeigen, wie viel Cash man auf dem Konto hat – von Caviar über Filet Mignon bis hin zu Dom Pérignon. Viele Rapper:innen in der Szene bekennen öffentlich ihre Liebe zum Essen. Nicht umsonst hat Munchies bereits 2016 seine YouTube-Reihe „Fuck that’s delicious“ in Kollaboration mit Action Bronson released, und die Essgewohnheiten des Künstlers offenzulegen. 

Dass Kiffen und Hip-Hop ein Liebespaar der ersten Stunde sind, wissen wir alle. Mit Hotbox bietet 16Bars seiner Community schon seit Jahren ein Interview-Format, das einfach passt und entertained. Obst snackend und Gras rauchend im Auto sitzen, über Musik reden und freestylen – das hat was. Mit dem YouTube-Format Baked zeigt Stoked, dass es sich bei weitem nicht um eine monogame Beziehung handelt und dass gutes Essen sich zum Liebesdreieck dazugesellen kann. In Songs wie „Sushi“ von Yung Hurn, „Dragonfruit“ von Lugatti und 9nine oder „Brot nach Hause“ von Apache 207 werden Lebensmittel zum Hauptfokus – ob als Metapher, Sex-Analogie oder als Liebesbekenntnis. Die Liste scheint unendlich. Die Frage, die wir uns stellen: Wie ernähren sich die „echten“ Männer (und natürlich Frauen) der deutschen Rap-Szene?

Veganismus und Rap

Weibliche Newcomer Rap-Talente wie LAYLA spitten Lines wie „ich ess' Obst, du Big Mac“. Ergibt Sinn, weil sich Frauen besser ernähren? WHAT? Nein, wir denken schon lange nicht mehr in alten Geschlechterrollen und haben uns umgesehen. Das Resultat: Veganismus, Sport und ein gesunder Lifestyle sind ziemlich tief verankert in der Rapszene.

Wie es dazu kommt? Ein definierter Körper und ein großer Bizeps zeichnen heute noch immer das Sinnbild eines Mannes aus. Kollegah  möchte „eines Tages dann wie 'ne Maschine aussehen“ und Farid Bang claimed „oben Breit unten schmal, ich bin 'ne Schlüsselfigur“. Aussagen wie diese unterstützen die Sicht eines „wahren“ Mannes und so den Erhalt der toxischen Männlichkeit. 

Vom täglichen Burger und Döner essen wird dieses Ziel aber nicht erreicht – das haben viele erkannt. In den letzten Jahren ist der Fitness-Wahn daher auch in der deutschen Rap-Szene angekommen und viele Rapper haben eingesehen, dass Ernährung und Bewegung eine ziemlich große Rolle spielen.

Das weibliche Newcomer Talent Eunique zeigt in ihrer verfilmten Entwicklungsreise „Becoming Eunique“ wie wichtig Ausdauer, Training und Disziplin sind, um sein Ziel zu erreichen und später auf Tour zu performen und „richtig zu zerstören“. Eunique ist aber nicht die Einzige: Der Berliner Rapper und Interviewer Marvin Game spricht offen über seine größtenteils vegane Ernährungsweise und laut dem Hamburger Fitness Influencer Coach A sind Rapper wie Bonez MC und RAF Camora auch unter den 19 % der männlichen Veganer in Deutschland (1).

Aber Rapper, die auf Fleisch verzichten sind nichts neues. Der Vater der deutschen Hip-Hop Szene, Kool Savas, ernährt sich seit mehr als 20 Jahre vegetarisch und spricht kürzlich offen über seine Ernährungsentscheidung mit Marvin Game auf der Couch von BAKED. Mit Zeilen wie „Kein Gemüse im Topf“ äußert Haftbefehl sich bewusst gegen den vegetarischen und veganen Lifestyle. Die Frage: Werden Aussagen wie diese aus Liebe zum Fleisch gedroppt oder sind sie als Angstreaktion zu verstehen?

Toxische Männlichkeit ist heute noch tief verankert in unserer Gesellschaft. W sind ganz ehrlich: Jede:r sollte zu ihren:seinen Ess-Entscheidungen stehen, sei es der vegane Burger, das sonntägliche Steak oder ein Salat. Und wir können euch sagen, dass bekanntlich der Bizeps nicht von einem ausgewogenen und vollwertigen Salat schrumpft, sondern Sixpacks wachsen lassen kann. 

Pizza für Gangster-Rapper, Eistee für Hip-Hop-Queens

„Bra, hol die Pizza“ mit diesem Slogan bewirbt Capi seine Gangstarella-Tiefkühlpizzen. Wait what, ist Capi nicht der Berliner Rapper? Was hat der mit Pizza am Hut? Ziemlich viel! Im Supermarkt Deines Vertrauens findest Du nämlich vier verschiedene Sorten der Capi-Pizza für wahre Bratans, Bratinas und Bratuchas. Durstig? Capi hat vorgesorgt und mit seinem „Bratee“ ein Erfrischungsgetränk auf den Markt gebracht. Aber Capital Bra ist nicht der einzige, der das Potenzial der Lebensmittelindustrie erkannt hat und sich ein weiteres finanzielles Standbein aufbaut.

Mit ihrem angekündigten „Dirtea“ eröffnet Shirin David Capital Bra das Eistee-Battle. Yung Hurn hält sich aus dem Battle der Eistee-Giganten raus und macht mit seinem Y.HURN Tomaten Ketchup das Soßen-Game unsicher. Wir sehen: Hip-Hop und Essen sind schon lange ein Match, jetzt auch im Business. Wer kann es den Rapper:innen verdenken, es ist schließlich ein ziemlich lukratives Geschäft. Wir sind gespannt was die Zukunft bringt, hätten aber nichts gegen einen kleinen Snack von K.I.Z. Denn wie Hustensaft Jüngling bereits sagte: „Er ist erst ein Boy, der gut ist, wenn er gut isst“.