Warum wir beim Kakao keine Umwege machen
Dass wir bei KoRo gerne den direkten Weg gehen, ist kein Geheimnis. Eigentlich ist es unser Business-Kern: Lieferketten verkürzen, wo es möglich ist. Bei unseren Mangos aus Westafrika haben wir es zum Beispiel schon vorgemacht – jetzt ist der Kakao dran.
Warum wir Stufen im Handel überspringen wollen? Ganz einfach:
Näher dran sein: Wir wollen verstehen, wie unsere Produkte wachsen und unter welchen Bedingungen sie geerntet werden.
Einfluss nehmen: Nur wer die Partner vor Ort kennt, kann wirklich Einfluss auf Qualität und soziale Standards haben.
Transparenz statt Blackbox: Wir wollen genau wissen, woher jeder Sack Kakaobohnen für unsere Kakaonibs kommt.
Und warum ausgerechnet Peru?
Als wir das Projekt gestartet haben, haben wir unseren Kompass direkt Richtung Südamerika ausgerichtet. Peru ist nämlich ein echter Bio- und Fairtrade-Pionier! Jährlich werden von hier aus über 150 000 Tonnen Kakao exportiert. Aber Peru überzeugt nicht nur mit Masse, sondern vor allem mit Klasse: Wir finden hier ausgesprochen hochwertigen Kakao und eine hohe Transparenz.
Das große Ganze: Fairtrade bei Kakao
Wir lieben Schokolade. Aber wir wissen auch: Kakao ist einer dieser Rohstoffe, bei denen man nicht nur zweimal, sondern dreimal hinschauen sollte. Weit verbreitete Armut, Abholzung, Geschlechterungerechtigkeit und bittere Realitäten wie Kinder- oder Zwangsarbeit sind in der Branche leider keine Seltenheit. Kakao wird zudem meist als anonyme Massenware über den Weltmarkt gehandelt. Man kauft Mengen ein, verliert dabei aber komplett den Bezug dazu, wer die Bohnen unter welchen Bedingungen angebaut hat. Genau deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, unsere Kakaoprodukte auf Fairtrade umzustellen. Das ist ein komplexer Prozess, den wir Produkt für Produkt vorantreiben. Denn Fairtrade bietet die entscheidenden Hebel: Durch Mindestpreise, Prämien für Gemeinschaftsprojekte und die Förderung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen wird der Weg der Bohne fairer. Du willst wissen, wie das im Detail aussieht? In unserem Blogpost „Fairtrade: Was steckt dahinter?“ erklären wir Dir ganz genau, wie das Siegel funktioniert.
KoRo und die Schokoladenfabrik: Zu Besuch bei den „Willy Wonkas“ von Pichanaki
„Bienvenidos a la fabrica de Willy Jesica y Willy Nelson“ – so steht es in Großbuchstaben auf dem Schild, das uns bei Choco Peru empfängt. Und auch wenn es dort leider keinen Fluss aus flüssiger Schokolade gibt (was aus hygienischen Gründen vermutlich auch besser so ist), hat das Team definitiv die geschulten Geschmacksknospen und die Leidenschaft eines Willy Wonkas.
Das Team dahinter
„Willy Nummer Eins“: Das ist Jesica. Peruanerin, Aktivistin und unermüdliche Verfechterin von sozialer Inklusion. Gemeinsam mit ihrem Mann Marvin, einem Kanadier, der schon seit Jahrzehnten in Südamerika lebt, hat sie Choco Peru gegründet. Ihr Ziel: Eine Plattform für ethische Kakaoproduktion, die den Menschen und der Natur im Amazonasgebiet zugutekommt.Mitten in Pichanaki, in der Provinz Chanchamayo, haben sie eine Fabrik in der Nähe von Feldern, Farmen und Wäldern errichtet, um vollständige Rückverfolgbarkeit und Qualität in jeder Phase zu garantieren. Geführt wird das Ganze neben Jesica auch von „Willy Nummer Zwei“ aka Nelson. Er ist zwar noch jung, aber als echter Kakao-Profi hat er die Chance bekommen, die Fabrik zu leiten.
Wertschöpfung, wo sie hingehört
Was Choco Peru für uns so besonders macht? Statt die rohen Schoten in einen Container nach Europa zu werfen, findet die Verarbeitung zu Kakaonibs direkt vor Ort statt. Das hat zwei riesige Vorteile:
Impact vor Ort: Die Arbeitsplätze und die Wertschöpfung bleiben in Peru.
Volle Transparenz: Wir kennen nicht nur den Hersteller unserer Kakaonibs, sondern wissen auch genau, in welcher Region und unter welchen Bedingungen die Bohnen angebaut wurden.
Die Fabrik ist übrigens noch relativ neu und wird ständig erweitert. Wir sind also quasi von Anfang an dabei, wenn hier Großes entsteht.
Die Reise der Bohne
Der Weg vom Baum bis zu den Nibs ist ein echtes Handwerk. Wir nehmen Dich mit:
1. Die Ernte
Bei der Ankunft die erste Überraschung: „Sind wir eigentlich schon da?“ Statt akkurater Reihen wächst der Kakao hier mitten in einer wilden Mischkultur aus Orangen, Ingwer und Kurkuma. Das sieht nicht nur wunderschön aus, sondern fördert die Biodiversität und sichert den Farmer:innen ein Einkommen abseits der Kakaobohne.
Geerntet wird per Hand und mit der Machete. Die Profis vor Ort erkennen sofort, welche Schote reif ist. Doch wer beim Halbieren direkt braune Bohnen erwartet, wird enttäuscht: Das Innere ist strahlend weiß! Die Bohnen stecken nämlich noch in einem hellen Fruchtfleisch. Wir haben uns den Test natürlich nicht entgehen lassen! Es schmeckt fantastisch fruchtig-süß, hat aber rein gar nichts mit Schokolade zu tun. Übrigens: Das „Ablutschen“ der Bohne war natürlich nur unsere Touri-Variante – in der Produktion läuft das Freilegen der Bohnen zum Glück etwas anders ab.
2. Fermentation
Zeit für eine kleine Spanisch-Stunde: Weißt Du, was Cajones sind? Übersetzt heißt das so viel wie „Schubladen” oder „Holzkisten”. Und genau in diese Kisten wandern die Kakaobohnen für den nächsten Schritt – die Fermentation.Die Bohnen werden abgedeckt und alle zwei Tage gleich dreimal gewendet. Damit die sogenannte „Baba-Flüssigkeit“ abfließen kann, haben die Cajones Löcher im Boden. Durch die Hitze bei der Fermentation zersetzt sich das fruchtige Fruchtfleisch und die Bohne löst sich davon. Ob der Fermentationsgrad stimmt, lässt sich übrigens ganz einfach prüfen: Man öffnet die Bohnen und schaut sich die Farbe an. Sind sieben von zehn Bohnen braun statt violett? Herzlichen Glückwunsch, wir haben einen Fermentationsgrad von 70 % erreicht!
3. Trocknung
Jetzt geht es an die frische Luft! In riesigen Mengen werden die Kakaobohnen auf großen Brettern im Freien verteilt. Hier kommen Solartrockner zum Einsatz, in denen die Kakaobohnen unter der peruanischen Sonne zweimal täglich baden dürfen. Das Ziel: Der Feuchtigkeitsgehalt muss auf unter 8 % sinken. Sobald dieser Wert erreicht ist, werden sie in große Säcke verladen. Kleiner Fakt aus der Praxis: Da dieser Schritt draußen stattfindet, kann es schon mal vorkommen, dass sich ein kleiner Stein oder ein Zweig mit in den Sack schleicht. Aber genau dafür haben unsere Partner bei Choco Peru ja ihre „Zaubertische“.
4. Sortierung
Shake it off, shake it off… Nein, bei Choco Peru läuft beim nächsten Schritt kein Taylor-Swift-Song im Hintergrund. Getanzt wird trotzdem! Sobald die getrockneten Bohnen ankommen, geht es für sie nämlich direkt auf den Schütteltisch. Durch die Vibration werden die Kakaobohnen regelrecht zum Tanzen gebracht. Das sieht nicht nur spektakulär aus, sondern hat einen entscheidenden Qualitäts-Hintergrund: Durch das Rütteln werden Fremdkörper wie Steinchen zuverlässig aussortiert.Das Beeindruckende: Trotz moderner Technik ist das geschulte Auge des Teams vor Ort durch nichts zu ersetzen. Während die Bohnen über den Tisch wandern, sortieren sie manuell alles aus, was nicht hineingehört – seien es eben Fremdkörper oder Bohnen, die qualitativ nicht den Standards entsprechen. Erst wenn jede Kakaobohne diesen „Check" bestanden hat, ist sie bereit für den Röstprozess.
5. Röstung
Wenn man den Vorhang zum nächsten Bereich beiseite schiebt, weicht die konzentrierte Stille der Sortierung einer Wand aus Wärme, Lärm und einem besonderen Duft. Endlich riecht es genau so, wie wir es uns erträumt haben: nach frisch geröstetem Kakao!In riesige Trommeln werden die Bohnen säckeweise reingekippt. Bei Choco Peru setzt man auf eine schonende Röstung bei geringen Temperaturen. Warum? Weil der Röstgrad den Geschmack extrem beeinflusst. Würde man die Bohnen zu stark befeuern, würden sie bitter werden. Durch die präzise Justierung kitzelt das Team genau die Nuancen heraus, die die Kakaonibs später so lecker machen.
6. Winnowing
Jetzt nimmt das Ganze wortwörtlich Form an! Nach dem Rösten folgt das sogenannte Winnowing, das Schälen und Brechen der Bohnen. Die Maschine nutzt eine Technologie, bei der die feine Schalenhaut der Bohnen mithilfe von Vakuum sauber abgezogen wird und die Kakaobohnen anschließend zu Nibs gespalten werden.Die Kakaonibs selbst landen in einem speziellen Zylinder und werden dann in neun (!) verschiedene Größen sortiert. Warum der Aufwand? Weil jedes Endprodukt eine andere Textur braucht – egal, ob als knackiges Topping für Dein morgendliches Müsli oder als Zutat in Ready-to-eat-Snacks. Was am Ende nicht als purer Nib in die Tüte wandert, wird direkt zu Kakaopaste, -butter oder -likör weiterverarbeitet.
Was wir aus Peru mitnehmen (außer Kakao)
Mittlerweile sind Christina und Flo wieder zurück im Berliner Office – der feuchte Dschungel und der Lärm der Maschinen in Pichanaki sind tausende Kilometer weit weg. Was bleibt, ist aber viel mehr als nur ein paar Fotos im Gepäck.Das Schönste an dieser Reise war für uns das Gefühl, eine echte, vertrauensvolle Beziehung zu unseren Partnern vor Ort gefestigt zu haben. Wir wissen jetzt nicht nur, wo unsere Kakaonibs zukünftig herkommen, sondern vor allem, wer dahintersteht. Mit Marvin, Jesica und Nelson können wir offen über Herausforderungen sprechen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Das ist für uns der Inbegriff von Transparenz.Wenn wir in Zukunft eine Packung unserer Kakaonibs in der Hand halten, sehen wir nicht mehr nur ein Produkt. Wir sehen die Handarbeit der Kleinbäuer:innen, hören das rhythmische Tanzen am Schütteltisch und riechen den Duft der Rösttrommel.